Dresdner Parteitag 1903

Der SPD-Reichsparteitag 1903 in Dresden und der Revisionismusstreit

Vom 13.-20. September 1903 tagte der SPD-Reichsparteitag in Dresden, der Hauptstadt des „Roten Königreichs“ in den Trianonsälen. In einem Willkommensgedicht hieß es zu diesem Anlaß: „Und auf den Köpfen drei Siegerkränz’ empfängt die Delegierten Rot-Elbflorenz“.

Was war geschehen? In der Reichstagswahl desselben Jahres hatte die SPD ihren Stimmenanteil auf 31,7% steigern können. In Sachsen erreichte sie sogar 58,8% und gewann 22 von 23 Mandaten. Die SPD konnte ihre Erfolge feiern. Der Parteitag tat dies auch - unter anderem auf Elbdampferfahrten auf Einladung der vereinigten sozialdemokratischen Wirte der Stadt.
Im Vorwärts hieß es: „Zu keiner Zeit ist in der Partei weniger Anlaß zu einem wirklichen prinzipiellen Streit, als gerade jetzt.“
In die Geschichte eingegangen ist dieser Parteitag jedoch als Ort und Höhepunkt des so genannten „Revisionismusstreits“.

Der schon länger schwelende Streit zwischen den Parteitheoretikern Karl Kautsky (marxistische Linie) und Eduard Bernstein („Erfinder“ der revisionistischen Linie) um die Frage, ob das herrschende System revolutionär zu überwinden sei (Kautsky) oder schrittweise, auf parlamentarischem Weg zu reformieren (Bernstein) fand nach den erfolgreichen Reichstagswahlen einen konkreten Anlass um offen auszubrechen:

Die Vizepräsidentenfrage
Als zweitstärkster Fraktion stand der SPD ein Reichstagsvizepräsident zu, welcher aber damit sowohl eher staatstragend zu agieren hätte, als auch in Frack und Zylinder zu Hofe hätte gehen müssen. Ob man dies tun sollte oder nicht (Kandidat wäre der Dresdner Mandatsträger August von Kaden) spaltete die Partei.

Protagonisten der Auseinandersetzung waren auf dem Parteitag der Parteivorsitzende August Bebel für die „orthodoxe Linie“ und der bayerische Abgeordnete Georg von Vollmar für die der Revisionisten. Nach stundenlanger Debatte zu einem Antrag des Parteivorstands „Wider die revisionistischen Bestrebungen“, in der der kriegsversehrte Vollmar stehend! Dem vierstündigen Redebeitrag Bebels zuhörte, wurde der Antrag mit sehr großer Mehrheit angenommen.

In der politischen Praxis aber setzte sich der etwas paradoxe Grundsatz von der „revolutionären, aber nicht revolutionsmachenden Partei“ (Bebel) durch. Natürlich suchte man auf parlamentarischem Weg konkrete Verbesserungen zu erreichen, behielt aber eine revolutionäre Rhetorik bei, die auf die Überwindung des kapitalistischen Systems durch den demokratischen Sozialismus zielte.

Ines Vogel

 


Dokumentation zum Dresdner Parteitag der deutschen Sozialdemokratie 1903
 
 

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