Dresden um 1900

Residenz-, Garnisons- und Industriestadt

1. Dresden um 1900 – Residenz-, Garnisons- und Industriestadt

Dresden hatte 1900 ca. 395.000 Einwohner – der Anteil der Arbeiter, die zur niedrigsten Lohngruppe zählten, dürfte sich auf ca. 80% beziffern lassen – und gehörte zu den größten Städten des Deutschen Reiches. Die Stadt war, ähnlich anderen Städten des Königsreiches, im Zuge der Industrialisierung stark angewachsen, wobei nicht der schwerindustrielle Bereich dominierte, sondern vielmehr die überregionale und exportorientierte verarbeitende Nahrungs- und Genussmittelfabrikation sowie der Versicherungs- und Bankenbereich einen Schwerpunkt in der Stadt hatte. Insbesondere Schokolade und Zigaretten sowie photographische Erzeugnisse, Strohhüte und Spiel- und Haushaltwaren bestimmten die Produktpalette der Stadt, die durch die Elbe und das frühzeitig ausgebaute Schienennetz an den nationalen und bedingt auch an den internationalen Markt angeschlossen war. So kam es beispielsweise im Zuge der Welthandelskrise 1907 auch in Dresden zu einem wirtschaftlichen Rückgang, erst 1913 stieg die industrielle Konjunktur der Stadt wieder. Strukturell war die Dresdner Industrie durch Klein- und Mittelbetriebe geprägt; Großbetriebe mit über 1.000 Arbeitern waren, wie in ganz Sachsen, in Dresden die Ausnahme.

 

Politisches Klima in Dresden

Das entscheidende Merkmal der Stadt lag in ihrem Charakter als Residenz- und Garnisonsstadt begründet, der das städtische Bürgertum nachhaltig prägte. Die Kasernen und die dazugehörige Industrie hatten ebenso Einfluss auf das „Klima der Stadt“, wie der hier ansässige Landtag und die Ministerien mit ihren bürokratischen Instanzen. Dies bestimmte letztlich auch die Zusammensetzung der städtischen Vertretungskörperschaften, wie die Stadtverordnetenversammlung, und damit die Verwaltung der Stadt selbst, die um 1900 stark durch die Konservative Partei, in Teilen auch durch die antisemitische Reformpartei geprägt war. Insbesondere das Kommunalwahlrecht mit seiner am Einkommen bemessenen Stimmengewichtung verhinderte über einen langen Zeitraum eine sozialdemokratische Initiative und Mitwirkung – mithin eine wesentliche Intention der Gestaltung des kommunalen Wahlrechts durch die herrschenden Parteien.

 

Kampf um ein faires Wahlrecht

1900 trat die SPD erstmals überhaupt zum Wahlkampf des Dresdner Stadtparlaments an, erst 1904 konnte sie jedoch ins Stadtparlament einziehen. Dies wurde durch die politische Situation auf Landesebene bestärkt: Nachdem die Sozialdemokraten vor allem zu Beginn der 1890er Jahre zahlreiche Mandate im Landtag gewinnen konnten, wurden sie nach der Einführung des Dreiklassenwahlrechtes 1896 regelrecht von der parlamentarischen Mitbestimmung ausgeschlossen, was letztlich auch zu einer absoluten Mehrheit der Konservativen Partei führte. Eben jener Zustand mobilisierte allerdings die Partei an ihrer Basis, insbesondere zu den überaus erfolgreichen Reichstagswahlkämpfen: 1903 fielen beispielsweise 22 der 23 sächsischen Wahlkreise an die SPD. Und sie führten 1908 zu großen und zumeist sozialdemokratisch organisierten Wahlrechtsdemonstrationen, die 1909 zur neuerlichen Reform des Wahlrechtes in ein Pluralwahlrecht führten. Dies hatte indes nicht nur Bedeutung für den Zusammenhalt der Partei selbst. Auf diese Weise wurde auch eine im Deutschen Reich neue und bis heute gebräuchliche Form politischer Willensbekundung eingeführt: Den friedlichen Protest auf der Straße, der beispielsweise 1908 in Dresden ca. 50.000 Menschen versammelte.

 

Streiks

Zwischen 1900 und 1902 war Dresden durch die Wirtschaftskrise in Sachsen betroffen, die in dieser Zeit auch das wesentliche Arbeitsfeld des Dresdner Stadtverordneten- kollegiums ausmachte. Die Folge waren Lohnsenkungen in Folge fehlender Absätze und eine hohe Arbeitslosigkeit. Gerade in jene Zeit fallen eine Vielzahl von Streiks in Dresden.

 
 

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